Alexander Sergejewitsch Puschkin 1799-1837

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Alexander Sergejewitsch PUSCHKIN 1799-1837
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Alexander Sergejewitsch PUSCHKIN
1799-1837

Ein kleines Land und ein großer Dichter Luxemburg und Puschkin

Seit dem Wiener Kongress 1815 wurde das neu geschaffene Groß herzogtum Luxemburg bis 1890 von den K ö nig-Groß herz ö gen der Niederlande aus der Dynastie Oranien-Nassau regiert. Als mit dem Tod des K ö nig-Groß herzogs Wilhelm III. am 23. November 1890 der letzte Agnat, der letzte m ä nnliche Nachkomme der Ottonischen Linie des Gesamthauses Nassau verstarb, ging die Krone des Großherzogtums Luxemburg nach den Bestimmungen des Artikels 30 des Nassauischen Erbvereins von 1783, den europäischen Verträgen und Artikel 3 der Luxemburger Verfassung auf Herzog Adolph von Nassau über. Von nun an konnte Herzog Adolph seinen ü berkommenen nassauischen Titeln den eines Großherzogs von Luxemburg und das diesem Titel anhaftende Prädikat Königliche Hoheit voranstellen. Der Begründer der neuen Luxemburger Dynastie stand 15 Jahre an der Spitze des Luxemburger Landes. Ihm folgte 1905 sein Sohn Groß herzog Wilhelm IV. auf den Thron.

Am 16. April 1907 erließ Wilhelm IV. im italienischen Santa Margherita ein Familienstatut. Aus seiner 1893 geschlossenen Ehe mit der Prinzessin Maria-Anna von Braganza hatte Groß herzog Wilhelm sechs T ö chter, und da er bereits 1906 schwer erkrankt war, war vorauszusehen, dass mit ihm, dem letzten Agnaten der Walramischen Linie, das Gesamthaus Nassau im Mannesstamm erl ö schen w ü rde. Nach dem vom Groß herzog erlassenen Statut bildeten das Groß herzoglich Luxemburgische und das Herzoglich Nassauische F ü rstenhaus eine untrennbare Einheit. Das Fideikommissverm ö gen, also das unver ä uß erliche und unteilbare Familienverm ö gen, blieb absolutes Hausverm ö gen ohne jegliche Einflussnahme des Staates, wobei der jeweilige Herrscher die alleinige Nutznieß ung des Fideikommisses hatte. Vor allem aber stellte Wilhelm IV. fest, dass er wirklich der letzte Agnat des Hauses Nassau war. Nach Artikel 42 des Nassauischen Erbvereins von 1783 war zwar die Erbfolge eindeutig geregelt, denn nach dem Aussterben aller m ä nnlichen Mitglieder des Hauses Nassau galt die weibliche Erbfolge. Die Erbfolge seiner ä ltesten Tochter Marie-Adelheid schien demnach unbestritten. Doch es gab den Grafen Georg von Merenberg, den 1871 geborenen Sohn des Prinzen Nicolas zu Nassau, des Bruders Groß herzog Adolphs. Graf von Merenberg entstammte der Ehe des Prinzen mit Natalia Alexandrowna Puschkina, der nach der Heirat zur Gr ä fin von Merenberg geadelten Tochter des russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin und der Natalia Nikolajewna Gontscharowa. Die Tochter Puschkins hatte in erster Ehe den russischen Generalleutnant und General-Adjutanten des Zaren, Michael Leontiewitsch Dübelt geheiratet, von welchem sie sich scheiden ließ , um den Prinzen Nicolas zu Nassau 1868 in London zu heiraten.

Graf Georg von Merenberg, Neffe Groß herzog Adolphs und Enkel Puschkins

So bestand also die M ö glichkeit, dass Graf Merenberg als m ä nnlicher, wenn auch nach f ü rstlichem Hausrecht nicht ebenb ü rtiger Spross des Hauses Nassau nach dem Ableben Groß herzog Wilhelms IV. die Thronerbfolge von dessen T ö chtern anfechten k ö nnte. Dieser latenten Gefahr wollte Wilhelm IV. noch zu Lebzeiten entgegentreten. Das konnte nur mit einem die Erbfolge seiner T ö chter bekr ä ftigenden Familienstatut, also einem Hausgesetz, geschehen, dem Wilhelm IV. eine st ä rkere staatsrechtliche Basis verleihen wollte.

So ließ der Groß herzog seinen Erlass von den Mitgliedern der Luxemburger Regierung gegenzeichnen und, gewissermaß en als demokratische Bekr ä ftigung, als Gesetzesvorlage der luxemburgischen Abgeordnetenkammer am 4. Juni 1907 zuleiten. Obgleich das Statut kein neues Recht schuf, sondern lediglich eine Aus ü bung der dem Chef des Hauses und vor allem dem letzten Agnaten auf Grund des Erbvereins zustehenden Befugnisse darstellte, unterbreitete Groß herzog Wilhelm es doch dem Parlament, damit es auch als direktes Landesgesetz angenommen w ü rde.

Das nach den klaren Bestimmungen des Erbvereins von 1783 streng genommen nicht notwendige Familienstatut von 1907 rief sofort den Grafen Georg von Merenberg auf den Plan. Bereits 1906 hatte der Graf sich bezüglich seiner Ansprüche verschiedene Rechtsgutachten eingeholt. Als nun das neue Hausgesetz bekannt wurde, intervenierte er in Luxemburg bei Regierung und Parlament und erhob Zivilklage in Deutschland wegen des Privatverm ö gens. Seine Begr ü ndungen waren folgende: Erstens enthalte der Nassauische Erbverein von 1783 in Artikel 26 eine Bestimmung, dass nach Aussterben der f ü rstlichen Agnaten die nicht f ü rstlichen Agnaten zur Thronfolge berufen seien, noch vor den f ü rstlichen Erbt ö chtern. Und zweitens sei die Ehe seines Vaters eine vollg ü ltige und ebenb ü rtige gewesen, ebenb ü rtig deshalb, weil es im Erbverein von 1783 keine besonderen Ebenb ü rtigkeitsbestimmungen gebe.

Die Diskussion des Gesetzesprojektes l ö ste in der luxemburgischen Kammer heftige Wortgefechte aus, die vor allem von der sozialistisch orientierten Fraktion ausgingen. Ihre Mitglieder ü bernahmen die Argumente des Grafen Merenberg, Monarchie als solche zu f ü hren, wie aus den Reden ihrer Wortf ü hrer Dr. Michel Welter und Xavier Brasseur deutlich hervorgeht.

Demgegen ü ber konnte die groß herzogliche Familie auf den Beistand des Staatsministers Paul Eyschen, des Rechtsgelehrten Joseph Brincour und der Mehrheit in der Deputiertenkammer z ä hlen. Ihre Argumente waren erstens die „ Standesungleichheit", da Natalia Puschkin zwar aus einer sehr vornehmen russischen Adelsfamilie stamme, ihr aber deutscher und vor allem hoher deutscher Adel fehle; zweitens die fehlende Einwilligung des Chefs des Hauses Nassau-Weilburg, da Groß herzog Adolph seine Zustimmung zur Ehe verweigert hatte; drittens der morganatische Charakter der Ehe von Prinz Nicolas und Natalia Puschkin. Die morganatische, die in Deutschland auch „ Ehe zur linken Hand" genannt wurde, beruhte nicht auf Ebenb ü rtigkeit; daher wurden der Gattin weder der Name, noch ein Anteil am Verm ö gen und Stand des Mannes zugestanden, und die Kinder besaß en keinerlei Erbrecht dem Vater oder dessen Familie gegen ü ber. Aus diesen drei Gr ü nden hatte f ü r die Mehrheit der Luxemburger Kammer Graf Georg von Merenberg „ kein Recht auf Nachfolge in das Nassauische Hausfideicommiss" und konnte nicht Erbe der Luxemburger Krone werden.

Am 5. Juli 1907 wurde in der Luxemburger Kammer das Familienstatut des Hauses Nassau mit 41 Stimmen gegen die 7 Stimmen der sozialistischen Fraktion bei einer Enthaltung als Gesetz angenommen und am 10. Juli ö ffentlich verk ü ndet. Es stellte gem äß Artikel 42 des Erbvereins von 1783 die Erbberechtigung der T ö chter Wilhelms nach dem Recht der Erstgeburt verbindlich fest. Prinzessin Marie-Adelheid wurde zur Erbin der luxemburgischen Krone und des damit untrennbar verbundenen nassauischen Hausfideikommisses erkl ä rt, bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahrs jedoch unter die Regentschaft ihrer Mutter Groß herzogin Maria-Anna gestellt. Sollte Marie-Adelheid keine Nachkommen haben, w ü rde der Thron ihren j ü ngeren Schwestern und deren Nachkommen nach dem Erstgeburtsrecht zufallen. Durch groß herzoglichen Erlass vom 25. Februar 1908 wurden Prinzessin Marie-Adelheid, der pr ä sumtiven Erbin der Krone, die Titel einer Erbgroß herzogin von Luxemburg, Erbprinzessin zu Nassau sowie das Prädikat Königliche Hoheit verliehen.

Damit waren die Forderungen des Grafen von Merenberg in Luxemburg abgelehnt. Auch in dem vor einem Gericht in Wiesbaden geführten Prozess zur Erlangung der Rechte am nassauischen Fideikommissverm ö gen wurde in erster Instanz die Klage abgewiesen. Doch auf Anraten des groß herzoglichen Familienrates wurde das Verfahren vor Ausschöpfung aller Instanzen im Jahr 1909 durch einen Vergleich beendet, mit dem Graf Georg von Merenberg gegen das Zugest ä ndnis einer Jahresrente von 40.000 Mark f ü r sich und seine
Nachkommen in erstgeborener Linie auf alle Rechte verzichtete. Das Erbrecht für die Töchter Wilhelms IV. war nun endgültig geklärt und gesichert.

Alexander Sergejewitsch Puschkin in den luxemburgischen Kammerdebatten und in der zeitgenössischen Presse

Ohne auf die familien-, Staats- und zivilrechtlichen oder politischen Gesichtspunkte der sogenannten Merenberg-Affaire einzugehen, soll hier nur eine Frage gestellt werden: Inwiefern spielte die Tatsache, dass die Mutter des Grafen von Merenberg eine Tochter Alexander Puschkins war, in all diesen Debatten eine Rolle? Oder: Welcher Stellenwert wurde und wird in Luxemburg dem Dichter Puschkin innerhalb der russischen wie auch der Weltliteratur zuerkannt?

Die langwierigen Diskussionen in der luxemburgischen Deputiertenkammer ü ber die Gesetzesvorlage zogen sich vom 4. Juni bis zum 5. Juli 1907 ü ber 11 Sitzungen hin, und der stenographierte Kammerbericht unter dem Titel Depot d'un projet de loi conferant force de loi au Statut de famille de la Maison de Nassau umfasst 511 Seiten. Dieser Bericht, der in politischer, aber auch kultur-und mentalit ä tsgeschichtlicher Hinsicht eine genauere Analyse verdient, enth ä lt naturgem äß nur wenige Referenzen auf literarische Gegebenheiten. Es f ä llt auf, dass es besonders die sozialistischen Redner waren, die ihre literarische Beschlagenheit zur Schau stellten und denen der sp ä tere Hofmarschall Auguste Collart im Nachhinein bescheinigen wird, dass sie akademisch gebildet, aber vielleicht infolge ihrer intellektuellen Ausbildung allzu feierlich und doktrin ä r gewesen seien. So zitierte der Abgeordnete Dr. Michel Welter, der sich eingangs der Debatten zur Republik als der einzigen, einer zivilisierten Nation entsprechenden Staatsform bekannt hatte, im Verlauf seiner Ausf ü hrungen z.B. genussvoll Heinrich Heine. Welter leistete sich auch einen literarisch angehauchten Wortwechsel mit dem Abgeordneten und Geistlichen Pierre Sch ü tz: „ Er [Sch ü tz] nennt Herder einen Dummkopf. So was von pf ä ffischer Arroganz habe ich in meinem Leben nicht gesehen." Worauf Sch ü tz sich zu folgender, Literaten und literarische Figuren vermischenden Antwort bem üß igt sah: „ Ob sein Gew ä hrsmann Goethe, oder Herder, oder Cid heisst, ist uns gleichg ü ltig." So darf nicht verwundern, dass in der ganzen Kammersession weder der Stellenwert noch die literarische Leistung Puschkins zur Sprache kamen. Allein der sozialistische Abgeordnete Xavier Brasseur wusste die Bedeutung Puschkins zu w ü rdigen. Gegen Ende der Debatte ü ber die Eben- oder Unebenb ü rtigkeit der Tochter Puschkins f ü hrte er aus: „ Le prince Nicolas a epouse la femme qui lui a plu. [...] II a plu au prince Nicolas d'epouser une femme qui est d'ancienne noblesse et qui de plus est princesse par le genie, car eile descend d'un des plus illustres poetes de l'humanite. II me semble que c'est une noblesse qui vaut bien celle qui est acquise dans des combles aupres de femmes de chambre et autres." Worauf der Kammerbericht vermerkte: „ Hilarite dans les tribunes."

Die Titulierung Natalia Puschkins als Tochter des bekannten russischen Dichters wurde im Lauf der Monate Juni und Juli 1907 von der luxemburgischen Presse in spaltenlangen Nachdrucken aus ausl ä ndischen Bl ä ttern ü bernommen. In der deutschen Presse war es die Voss/sehe Zeitung, die als erste am 6. Juni 1907 die Tatsache vermerkte, dass die Mutter des Grafen Merenberg „ eine Tochter des groß en russischen Dichters Alexander Puschkins" sei. Diese Formulierung wurde von der Frankfurter Zeitung und der K ö lnischen Zeitung ü bernommen; die T ä gliche Rundschau aus Berlin, die K ö lnische Volkszeitung und die Trierische Landeszeitung schrieben in leichter Abwandlung von der „ Tochter des bekannten russischen Dichters". Das Echo de Paris sprach von der „ fille du celebre poete von Puschkin". In Luxemburg galten diese sogenannten „ Korrespondenzen" einerseits als Beweis eigener Weitl ä ufigkeit, andrerseits als Gew ä hrsquellen f ü r die eigene Darstellung, die sich an der jeweiligen ideologischen Einstellung ausrichtete. Keine einzige Zeitung jedoch ging auf das Leben und das Werk des groß en Russen ein.

Im Lauf der folgenden Jahrzehnte ä uß erten sich eine Reihe von Luxemburger Historikern und Autoren zu den Vorg ä ngen des Jahres 1907, die als Merenberg- Affaire in die Geschichte eingegangen ist, unter ihnen Jean Schoos, Auguste Collart, Jean Milmeister, Rosemarie Kieffer, Frangois Mersch, Jos. Groben und Pierre Even. Auch in ihren Ausf ü hrungen ist das schm ü ckende Beiwort zu Puschkin meist der „ große" oder der „ berühmte", ja der „ größte" Dichter, den Russland hervorgebracht habe.

1986 bezeichnete Rosemarie Kieffer, erste Pr ä sidentin des 1974gegr ü ndeten und nach dem Dichter benannten Centre culturel A. S. Pouchkine in Luxemburg, Puschkin als „ homme dont les poesies lyriques, les poemes narratifs, les pieces de theatre, les nouvelles, le roman La Fille du Capitaine forment l'ceuvre russe la plus melodieuse, la plus harmonieuse, la plus belle. Voltairien, romantique, realiste, Alexandre Pouchkine a su unir dans une Synthese sans faille ses dons divers, ses dispositions opposees - dans le creuset de la langue russe qu'il aimait et dans laquelle il s'exprimait avec une maTtrise admirable. C'est la fille de cet homme qu'en 1907 la Chambre des Deputes, ä Luxembourg, jugea etre de basse extraction..." Rosemarie Kieffer, deren Verdienste um die russische Sprache und die russische Kultur unvergessen bleiben, war auch die treibende Kraft bei der Organisation eines groß en Puschkin-Abends in Luxemburg. Am 16. November 1972 veranstaltete die Föderation Luxembourgeoise des Femmes Universitaires zu Gunsten der Ligue pour enfants handicapes im Studio des hauptst ä dtischen Theaters einen Kulturabend unter dem Titel Pouchkine - Musique et Poesie, an dem u. a. Valentina Kossarewa-Klepetskaja, Sopranistin des Bolschoi und Ehefrau des russischen Gesandten, Tun Deutsch sowie Ger Maas beteiligt waren. Letztere hatte f ü nf Illustrationen zur Puschkin-Novelle Pique Dame geschaffen. Kleine Ironie der Familiengeschichte des groß herzoglichen

Hauses: Großherzogin Josephine-Charlotte, die an diesem Abend teilgenommen hatte, beauftragte Ger Maas drei Jahre später mit einer zweiten Version der Illustrationen zum Puschkin-Text, die 1975 anlässlich des Staatsbesuchs des großherzoglichen Paares in der Sowjetunion als offizielles Geschenk an Präsident Podgorny überreicht wurden.

Die bislang ersch ö pfendste Darstellung von Puschkins Werk und seiner Stellung in Russland und in der russischen Literatur verfasste Jos. Groben, der 1987 in der Warte zum 150. Todestag Puschkins festhielt, dass der Dichter, ungeachtet des relativ geringen Bekanntheitsgrades seines Werkes im Ausland, der genialste und vielseitigste Dichter der russischen Sprache, der russische Klassiker schlechthin sei. In allen literarischen Gattungen - Lyrik, Dramatik, Epik - habe er bahnbrechend gewirkt, und mit seinen Pionierleistungen seien ihm auf Anhieb Meisterwerke gelungen. F ü r Groben, der selbst Russisch unterrichtete, sind Puschkins Werke Sons Godunow, Eugen Onegin und Die Hauptmannstochter die ersten Beitr ä ge Russlands zur Weltliteratur. Gleicherweise hervorragend als Dichter wie als Theoretiker, als Reformator der Literatursprache, als gl ä nzender Kritiker, als geistreicher Journalist, als ernster Geschichtsforscher, als brillanter Briefschreiber, sei Puschkin zur Vaterfigur der russischen Kultur geworden. Die Thomas Mannsche Bezeichnung „ Goethe des Ostens" spiegle vielleicht am besten die universale Bedeutung Puschkins im Geistesleben seines Landes wider. Jos. Groben, der darauf hinweist, dass sogar der luxemburgische Gesandte in Moskau Rene Blum die Gewohnheit hatte, den Liebesbrief, den die unerfahrene Tatjana an Eugen Onegin schrieb, als Musterbeispiel russischer Sprachmelodie zu rezitieren, sieht gerade Puschkins Einmaligkeit in der russischen Literatur im musikalischen Schmelz seiner Sprache: „ Im wesentlichen beruht er auf einem untr ü glichen Sinn f ü r Melos und Rhythmus, auf einem genialen Instinkt f ü r die Kombinierung und Kontrastierung der fein abgestuften Vokale seiner Muttersprache. Da jeder russische Vokal in einer doppelten Form, als ,hart' und als .weich' oder jotiert', auftritt, ist die Tonskala doppelt so intonationsreich wie in unseren Sprachen. Zu diesen reichen Vokalregistern tritt eine auß ergew ö hnliche F ü lle von wohlklingenden Reibe-, Zisch- und Gaumenlauten. Puschkin ist der erste Dichter, der bewusst diesen ganzen klanglichen Reichtum der Sprache in reine Poesie umsetzt [...]."

Der Tod des Prinzen Nicolas zu Nassau am 17. September 1905, zwei Monate vor dem Ableben seines Bruders Groß herzog Adolph am 17. November desselben Jahres, und die luxemburgische Gesetzgebung verhinderten somit in Luxemburg die Thronbesteigung eines Enkels dieses genialen Dichters. Und w ä hrend sich russische Autoren bis heute auf Puschkin berufen, w ä hrend in St.-Petersburg und Moskau tats ä chlich Leute auf der Straß e Puschkin rezitieren k ö nnen, steht der Dichter in Luxemburg immer noch im Rang eines „ illustre inconnu". Deshalb ist es Wunsch und Hoffnung, dass die Ausstellung, die nun das Centre national de litterature in Mersch dank des Staatlichen Museums A. S. Puschkin aus Moskau, des Russischen Museums A. S. Puschkin aus Sankt- Petersburg und des Groß herzoglichen Hauses Luxemburg-Nassau f ü r drei Monate beherbergt, dazu beitr ä gt, aus dem bekannten Unbekannten, wie die Berliner Zeitung 1999 zum 200. Geburtstag des Dichters titelte, eine feste und dauerhafte Größe zu machen.

Gast Mannes

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Fiche technique

Hauteur:
27 cm
Auteur:
MANNES, Gast
Langue:
Allemand
Publié:
2006
Nombre de pages:
40